Nachtrag:
Die Orte, von denen in den Geschichten »Nah am Wasser« erzählt wird, sind konkret. Ob Inverness oder Miami, ob Cabo de Trafalgar oder das Ijsselmeer - der Autor hat sie alle bereist und kann die Echtheit und Existenz der Städte, Meere und Seen glaubhaft bestätigen.
Die Geschichten haben sich aber so, wie sie erzählt werden, nicht zugetragen, allenfalls nur so ähnlich, und die handelnden Personen sind frei erfunden. Eine Fiktion also. Aber was heißt das schon? Zuweilen verschwimmen in der Erinnerung Wirklichkeit und Fiktion. Vor allem am Wasser. Oder auf dem Wasser.
Anton Hunger erzählt in diesen »widerborstigen« Geschichten von Menschen auf Reisen, also von Menschen »unterwegs«. Auf dem Weg zu sich hin - und von sich weg. Erzählt von Menschen, die das Abenteuer suchen, auf Segelschiffen und auf Fischerbooten, auf Frachtern und an Küsten. Von Menschen, die die Langeweile pflegen, von Menschen, denen die Fremde gerade die Projektionsfläche der eigenen Vorstellungswelt ist.
So oder so, und allein oder mit anderen: das Unterwegssein kennt Hindernisse und birgt Konflikte, bringt Freud und schafft Leid - und zeigt den ganzen Menschen auf seinen kleinen großen Fluchten.
Aber Anton Hunger spielt mit seinen suchenden Reisenden nicht, er lässt sie spielen, er gibt ihnen ihre Bühne. Und schaut ihnen zu, nicht hämisch, sondern mit Empathie - und ein bisschen verwundert auch.
»Anton Hunger erzählt in seinen Geschichten von 'menschelnden Menschen', von ihren Sehnsüchten, Phantasien, Träumen. Von ihrem
Drang in die Ferne und Weite, auch von ihrer Suche nach Selbsterkenntnis. Er, der Freizeitsegler, legt ein mit leichter, aber sicherer Feder und garstigem Humor geschriebenes Bekenntnis
ab, was denn das Leben ausmacht: Gefühl. Vor allem das Gefühl 'nah am Wasser'.«