Ferdinand Keller weiß, wie man Texte repariert. Als Lektor erkennt er Bruchstellen, strafft Überflüssiges, bringt Ordnung in fremde Geschichten. Sein eigenes Leben hingegen folgt seit Jahren einem Tempo, das keinen Raum lässt ? für Pausen, für Zweifel, für den eigenen Körper.
Nach einem Zusammenbruch wird er gezwungen, die Stadt zu verlassen. Sechs Wochen Auszeit. Kein Laptop. Kein Verlag. Stattdessen ein kleines Dorf im Voralpenland, ein See, der stiller ist als alles, was er kennt, und eine Holzwerkstatt, in der Arbeit nicht beschleunigt, sondern verlangsamt.
Nikolaus Brandner lebt dort, wo Ferdinand strandet. Bootsbauer, wortkarg, widerständig gegen alles, was nach "Potenzial" klingt. Er vertraut dem, was bleibt, wenn man Nein sagt ? zu Investoren, zu Hochglanzideen, zu einem Leben, das mehr verspricht, als es hält.
Zwischen nassem Holz, Kreissägen und gemeinsamen Mahlzeiten entsteht etwas, das keiner von beiden geplant hat. Keine große Geste. Keine schnellen Entscheidungen. Sondern Nähe, die sich leise entwickelt. Und die Frage, ob es möglich ist, nicht nur auszusteigen, sondern wirklich anders zurückzukehren.
Uferleuchten ist eine ruhige, langsame Liebesgeschichte über Erschöpfung, Grenzen und den Mut, sich selbst ernst zu nehmen.