Duisburg, Mai 1966: Im völlig verschmutzen Rhein taucht ein weißer Wal auf. Ganz offensichtlich ein Irrläufer, leben Belugas doch in arktischen Gewässern. Noch am selben Tag beschließt der Duisburger Zoodirektor Dr. Wolfgang Gewalt, den orientierungslosen und hungrigen Wal zu retten. Oder will er ihn nur als Attraktion für sein neues Delfinarium fangen? Immerhin versteht sich Dr. Gewalt als Zoodirektor "vom alten Schlag", der seine Tiere auf weltweiten Expeditionen noch eigenhändig erbeutet.
Inzwischen tummeln sich an den Rheinufern tausende Schaulustige, ganz Duisburg ist im Wal-Fieber und auch die Presse berichtet tagtäglich vom Schicksal des Irrläufers. Dr. Gewalt startet eine beispiellose Hetzjagd auf den Wal - erst mit zusammengeknüpften Tennisnetzen, dann mit Speeren und Narkosepistolen.
Martha - Tierpflegerin und Gehilfin von Dr. Gewalt - sträubt sich immer mehr, ihrem Chef zu assistieren. Und auch die öffentliche Stimmung kippt: Die BILD-Zeitung titelt "Verhaftet Dr. Gewalt!", das Publikum buht ihn aus und die Politik will nicht den Wal, sondern die anstehende Wahl in den Schlagzeilen sehen. Derweil kämpft der zunehmend geschwächte Beluga ums Überleben. Kann der weiße Wal entkommen und wieder nach Hause finden?
Die Ereignisse rund um den verirrten Beluga gelten als wichtiger Wendepunkt der deutschen Umweltbewegung. Während des Wirtschaftswunders betrachtete man den Rhein als "Autobahn mit Wasser" und die Politik war überzeugt: "Wo die Schornsteine qualmen, wird Geld verdient!"
Doch angesichts des weißen Wals, dessen Haut im verseuchten Rhein immer dunkler wurde, und angesichts der Bilder aus dem verrußten Ruhrpott, erwachte ein öffentliches Bewusstsein für den Tier- und Umweltschutz.
Der neue Comic von Sheree Domingo (Zeichnungen) und Patrick Spät (Szenario) beruht auf wahren Begebenheiten. In ausdrucksstarken Aquarellzeichnungen rückt das Comic-Duo den Beluga ins Zentrum seiner Erzählung und nimmt dabei auch die Mentalität der spießigen und selbstherrlichen Wirtschaftswunder-BRD aufs Korn.