Werner Keller lebt in Frankfurt nach einer einzigen Regel: Nur was sich berechnen lässt, ist sicher. Als Statiker und Gutachter für eine Bank bewertet er Häuser, Hänge und Risiken, ohne sich je von Geschichten berühren zu lassen. Bis ihn ausgerechnet ein Auftrag zurück an den Emiliasee führt, dorthin, wo er seit Jahren nicht mehr hingesehen hat: Erichberg und das alte Haus am Hang.
Das Problem ist nur: Das Haus ist nicht mehr nur ein Objekt.
Armin Bauer hat sich in der Ruine eingerichtet und kämpft mit Kalkstaub, Feuchtigkeit und einem Dorf, das lieber urteilt als hilft. Für ihn ist das Gebäude kein Sanierungsfall, sondern ein Zuhause, das endlich halten soll. Für Werner ist es ein Kreditobjekt mit brüchiger Böschung, nassem Keller und zu vielen offenen Variablen.
Als Unwetter und Hochwasser die Zufahrt abschneiden und Werner gezwungen ist zu bleiben, wird aus Distanz unfreiwillige Nähe. Zwischen Prüfprotokollen und Bauplänen, zwischen misstrauischen Blicken und kleinen, unerwarteten Momenten beginnt etwas zu verrutschen. Nicht im Hang, sondern in Werner selbst.
Denn irgendwann muss er entscheiden, ob er wieder weggeht oder ob er zum ersten Mal seit langem auf etwas zufährt, das nicht planbar ist.