Nachts am Altglascontainer. Du wirfst die Flaschen einzeln hinein, möglichst leise. Immer wieder blickst du dich um, prüfst, ob dich jemand beobachtet, obwohl niemand da ist. Weil die Scham dich immer begleitet.
Dieses Buch ist kein Ratgeber und auch kein einfacher Erfahrungsbericht. Es ist ein Buch für dich, wenn du trinkst und spürst, dass es zu viel ist. Wenn du aufgehört hast - und jeden Tag neu anfängst. Wenn du jemanden liebst, der trinkt, und nicht mehr weißt, wie du helfen sollst.
Dieses Buch will dich nicht reparieren. Es will dich nicht überzeugen, nicht bekehren, nicht therapieren. Es verfolgt einen radikal anderen Ansatz: Nicht Abstinenz ist der Anfang, sondern deine Würde.
Denn Scham hält Sucht am Leben. Und genau dort setzt dieses Buch an. In kurzen, eindringlichen Texten - mal tröstend, mal wütend, mal glasklar - begleitet es dich durch die Realität von Abhängigkeit.
Du kannst es vorne anfangen oder irgendwo aufschlagen. Dieses Buch verlangt nichts von dir. Es ist einfach da. Es beschönigt nichts, und es verurteilt nicht. Es spricht aus, was sonst nur gedacht wird: Dass Alkoholismus kein Randphänomen ist, sondern mitten in der Gesellschaft sitzt. In Büros, Familien, Beziehungen. Du bist nicht schwach. Du bist nicht schuld. Du bist krank - und du bist nicht allein.